Testbericht Marleaux Consat Custom Viersaiter



Testbericht aus "Bassprofessor" Heft 01/2007
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Wenn man spontan sagen müsste, welches Design man mit einem Marleaux-Bass verbindet, dürfte es sehr wahrscheinlich sein, dass die Wahl auf das Consat-Modell fällt. Auch wenn die Harzer Company einige Neuauflagen bekannter Klassiker mit in die Produktpalette genommen hat, und mit dem M-Bass sogar ein weiteres originäres Modell etablieren konnte, so wird das Erscheinungsbild des kleinen Zweimannbetriebs hauptsächlich von dem Consat repräsentiert. Aufgrund des Festhaltens an diesem Design spielen sich die Verbesserungen an den Instrumenten in erster Linie ausschließlich bei  Details ab. So erreichte uns nun ein Consat mit einem neuen und aufwändigen Lackierungsverfahren.

Technische Merkmale

- Schraubhals (Sechspunkt ohne Ankerplatte)
- dreiteiliger Ahornhals mit Ebenholz-Zwischenfurnieren
- Vogelaugenahorn-Griffbrett
- Ebenholzsattel
- Riegelahornkorpus mit Riegelahorndecke 
- verchromte Hardware
- Schaller Kompaktmechaniken
- ETS 3D-Flachsteg
- Security-Endpins
- Delano Soapbar-Tonabnehmer 
- Marleaux/Behn BC-3 Preamp (Volume, Balance, Bässe, Mitten, Höhen, aktiv/passiv)
- schwarze „Tiger-Burst“ Transparent-Mattlackierung


Konstruktion / Verarbeitung

Eines der besonderen Merkmale der Schraubhalsbässe von Marleaux ist der weit in den Korpus hineinreichende Hals. Dadurch lässt sich der rückseitige Übergangsbereich nahezu wie bei einem Neckthrough-Instrument gestalten. Aber auch in der Draufsicht fällt nicht sofort auf, dass es sich um einen Bolt-On handelt. Da die bis zum vorderen Tonabnehmer reichende Halszunge mit dem gleichen Holz verblendet wurde, das auch als Decke Verwendung fand, entsteht nämlich eine ausgesprochen einheitliche Optik. Ein Übriges trägt dazu auch die passgenaue Halstaschenfräsung und die plan mit der Decke abgerichtete Zungenhöhe bei. Ein echter Kracher wäre es gewesen, wenn die Verblendung mit dem Holzstück gefertigt würde, das an dieser Stelle Bestandteil der Decke wäre. Fertigungstechnisch wäre dies allerdings so gut wie gar nicht zu realisieren.

Wie eingangs erwähnt, findet sich die Besonderheit dieses Consats in der Art der Lackierung wieder. Durch ein mühevolles Verfahren, bei dem das gebeizte Holz auf kontrollierte Weise immer wieder geschliffen, und mit dünnerer Beize nachbehandelt wird, entsteht ein Burst-Effekt, der trotz der Verwendung von Mattlack die Holzzeichnung plastisch hervorhebt. Da für dieses kleine Kunstwerk als Holzbasis Riegelahorn eingesetzt wurde, bekam die Lackierung den Namen „Tiger-Burst“. Aufgrund des hohen handwerklichen Einsatzes muss der Kunde für diese Pracht 120 Euro mehr auf das Konto der Clausthaler überweisen.
Dass es sich bei unserem Testbass um einen Custom handelt, wird erst bei näherem Hinsehen klar, da das namensgebende Erkennungsmerkmal – die aufgeleimte Decke – kaum von dem eigentlichen Korpus zu unterscheiden ist, besteht dieser doch ebenfalls aus stark geflammtem Riegelahorn. Der einzige Unterschied ist, dass das Body-Holz aus dem Harz stammt, und die Decke einmal Bestandteil eines süddeutschen Baumes war.

Um die klanglichen Qualitäten der verwendeten Hölzer auch auf dem elektrischen Wege einzufangen, schöpft Marleaux aus einem großen Angebot von Tonabnehmern der Hersteller Bartolini, Häussel und Delano. Vom letztgenannten fand ein Soapbar-Päärchen seinen Weg auf unseren Testbass, da es nach Einschätzung der Harzer am Besten die Klarheit und Definition der Holzkonstruktion auf den Punkt bringt.

Um diesen Grundsound noch etwas bearbeiten zu können, hat man dem Consat-Modell neben der passiven Ebene noch einen zuschaltbaren Dreiband-EQ spendiert, der für Marleaux von Wolfgang Behn hergestellt wird. Die ultraflache, gedruckte Platine befindet sich direkt unterhalb des Vogelaugenahorndeckels, der wie das gesamte E-Fach mit einer Kupferfolie bezogen wurde. Angesichts der winzig kleinen Potentiometer und der ordentlichen Verkabelung wirkt das Elektronikfach extrem sauber und aufgeräumt.
       
Fazit: Auch dieser Consat ist wieder einmal ein Zeugnis der hohen Fertigungskunst von Gerald Marleaux und Tilman Antons, die ihnen sogar schon internationale Anerkennung brachte. Die neue „Tiger-Burst“ Mattlackierung ist ein weiterer Beweis dafür, dass es eben doch einen Unterschied zwischen Handmade und industrieller Fertigung gibt.


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Komfort / Bespielbarkeit / Service

Der andauernde Erfolg des Consat-Modells lässt sich mit Sicherheit auch auf dessen Handling-Eigenschaften zurückführen. So ist der recht zierliche Korpus genau richtig dimensioniert um eine gute Balance und einen guten Körperkontakt mit schlanken Proportionen und einem geringen Gewicht zu vereinigen. Sogar im Sitzen und ohne Gurt lässt sich der Viersaiter mühelos in eine stabile Position bringen. Dazu tragen sicherlich auch die drastisch gewichtsreduzierten Mechaniken bei, die von Schaller speziell für Marleaux mit Flügeln aus einem Hitech-Synthetikwerkstoff gefertigt werden.

Bei diesem Handling kann man sich vollkommen auf das Spielen konzentrieren, was einem angesichts der niedrigen Saitenlage und dem mühelosen Zugriff auf alle Bünde besonders leicht gemacht wird. Trotz aller Zierlichkeit vermittelt einem der Bass dennoch ein ausgewachsenes Gefühl. Dafür sorgen alleine schon das breite Stringspacing und die solide wirkende Dimensionierung des Halses.

Das aus all diesen Faktoren resultierende Spielgefühl animiert sowohl zu schnellen Solo-Fummeleien als auch zu erdigem Groove-Spiel. Der Consat liebt es auch geslappt zu werden und stellt dafür ausreichend Platz zu Verfügung. Eng wird es nur, wenn man mit dem Daumen am Steg spielt. Dann können die auf kleinstem Raum untergebrachten Bedienelemente der Elektronik schnell mal im Weg sein.

Die üblichen Einstellarbeiten lassen sich problemlos bewerkstelligen; einzig der Batteriewechsel ist etwas aufwändiger, da der Saftspender erst nach Lösen von zwei Feingewindeschrauben getauscht werden kann. Aber noch gibt es ja auch keine Schnappfächer aus Vogelaugenahorn!

Fazit: Das Handling des Basses ist so wie man es sich nur wünschen kann - ausbalanciert, leicht, und super bespielbar. Passt!

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Klang

Zielsetzung dieses Consats sollte laut Marleaux ein sehr klarer und definierter Ton sein, der dennoch genug Punch besitzt um sich durchzusetzen. Schaut man sich die Bauweise und die Holzauswahl an, wird schnell klar, dass die Clausthaler ganz genau wissen, wie man zu einem solchen Ergebnis kommt. So sorgt die Kombination von hartem Ahorn für den Korpus mit einem steifen Ahornhals für die angestrebte Definition, und die insgesamt sehr leichte Konstruktion mit einem Schraubhals steuert dann die notwendige Dynamik bei.

Die Drahtigkeit des Tons wird dabei trotz aller Offenheit in den hohen Mitten immer von einem festen Fundament aus dem Hintergrund unterstützt, so dass bereits unverstärkt ein lebendiger aber dennoch kultivierter Sound entsteht.
Als richtige Entscheidung für die Tonabnehmer entpuppen sich dann auch die neuen Delano Soapbar-Pickups, mit deren Hilfe die klaren Basskonturen und die agilen Höhen homogen zusammengeführt werden. Der hintere Tonabnehmer besitzt dabei eine angenehme Weichheit im Ton, die dem Bass in allen Registern zu einem runden Solo-Sound verhilft. Die Dynamik bleibt dabei trotzdem voll erhalten - einzig an der Übertragung der Bundgeräusche hört man dass die Delanos den hochfrequenten Anteil in einen nasal nörgelnden Bereich herunterholen. Spätestens beim Zusammenmischen beider Pickups wird mir klar, woher ich diese spezielle Färbung kenne: Ken Smith! Dessen Edelbässe entfalten mit ihren einzigartigen, parallel verdrahteten Kent Armstrong Humbuckern nämlich einen ähnlichen Charakter in den hohen Mitten.

Somit gesellt sich zu dem sauberen Grundsound noch das gewisse Etwas, welches dem Consat eine echte „Stimme“ verleiht.
Diese geht erfreulicherweise bei Einsatz der Dreiband-Aktivelektronik nicht verloren. Zwar wird der Sound grundsätzlich etwas schmatzender, aber die Bass- und Höhenfrequenzen des Equalizers sind soweit nach außen verlagert, dass sie keinen signifikanten Einfluss auf die Klangfarbe nehmen. Und auch der Mittenregler ist mit seinen 500 Hertz so gewählt, dass er den Ton in erster Linie direkter macht, und eher noch die trockene Holznote des Marleaux nach vorne bringt.
 
Fazit: Ein in sich schlüssiger Bass, bei dem offenbar so wenig wie möglich dem Zufall überlassen wurde. Der typische Marleaux-Sound wurde bei diesem Testbass in eine bestimmte Richtung getuned, so dass ein extrem punchiger, aber dennoch konkreter Ton realisiert werden konnte.

Kommentar: Wieder einmal hat sich gezeigt, dass die Harzer ihr Handwerk verstehen. Über die Ausführung braucht man eigentlich keine Worte verlieren – da stimmt einfach alles. Der Komplett-Ahorn-Bass ist sicherlich nicht das, was man unter einem Allround-Instrument versteht; wer aber sowohl für Begleitung als auch für Solo einen absolut konkreten Ton anstrebt, der dennoch frei ist von jeder Härte, und der sogar noch einen ganz eigenen Charme besitzt, sollte sich diese Consat-Ausführung unbedingt auf den Wunschzettel schreiben. 


Maße / Daten     
   

Mensur: 864 mm
Halsbreite - Sattel: 40,5 mm
Halsbreite - 12. Bund: 55,5 mm
Halsdicke - 1. Bund: 22 mm
Halsdicke - 12. Bund: 24,5 mm
Anzahl der Bünde: 24 + 0-Bund
Stringspacing - Sattel: 11 mm
Stringspacing - Steg: 20 mm  
Spulenabstand von Brücke: 42/60 und 108/126 mm  
Batterie / Verbrauch: 9 Volt / 1,44 mA
Gewicht: 3,5  kg
Preis: EUR 2.330,-
Lieferumfang: Gig Bag


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