Testbericht Marleaux mBass Custom Fünfsaiter



Testbericht aus "Bassprofessor" Heft 04/2003
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Über die beiden Bassbauer Gerald Marleaux und Tilman Antons muss man nicht mehr allzu viele Worte verlieren. Aus dem schönen Clausthal-Zellerfeld im Harz beehren die beiden seit Jahren die Basszunft mit ihren hochwertigen Instrumenten. Diesmal hat man uns in der Redaktion mit dem aktuellen "Top Of The Line"-Modell bemustert - einem atemberaubend schönen fünfsaitigen M-Bass, der einem auf den ersten Blick erst einmal die Sprache verschlägt.

Konstruktion / Verarbeitung

Ich nehme den M-Bass aus dem Karton und komme zunächst erst einmal aus dem Staunen nicht heraus - immerhin gehört dieser Bass zum Hochwertigsten, was die deutsche Basszunft derzeit zu bieten hat. Die eigenwillige, bauchige Bodyform der M-Bässe mit dem ausgeprägten oberen Korpushorn, was eher einem MickeyMouse-Ohr gleicht, hat mir ohnehin schon immer gefallen. Mit der auf dem Swietenia-Mahagoni-Body unseres Testbasses aufgeleimten Decke aus Quilted-/Spalted-Bubinga und der erstklassigen Hochglanzlackierung haben die Harzer den Vogel in puncto Edeloptik nun aber wirklich abgeschossen. Klar, dass beide Holzschichten nicht einfach nur zusammengeleimt wurden, sondern durch gleich zwei schmale Furniere getrennt wurden.Auch die drei Vogelaugenahorn-Streifen des Halses wurden durch jeweils ein Furnier getrennt. Der noble Eindruck wird zudem verstärkt durch das tiefschwarze Ebenholzgriffbrett, welches von einem hellen Riegelahorn-Binding eingefasst wird. Die Griffbretteinlagen bilden ovale Perlmuttscheibchen, die darüber hinaus noch eine ebenfalls ovale Einsparung in ihrem Inneren aufweisen, die wiederum durch das Griffbrettholz aufgefüllt wurde. Was für eine Arbeit!

Vortrefflich gelungen ist die Bundierung des M-Basses. Fährt man leicht mit der Hand über die beiden Seiten der Griffbrettflanke, so fühlt man nicht einen einzigen minimal herausstehenden Bund. Stattdessen bildet das Riegelahorn-Binding eine perfekte Begrenzung der Jumbos.

Auf der Kopfplatte, die ebenfalls eine Decke aus Quilted- bzw. Spa!ted-Maple aufweist, prangen fünf vergoldete Scha!ler-Mechaniken in der Aufteilung 3:2. Auch die restliche Hardware des M-Basses wurde vergoldet, darunter die bewährte ETS-Tuning-Fork, die Gurtpins, die versenkt angebrachte Klinkenbuchse sowie die vier Potis der Schaltzentrale unseres Testkandidaten.

Im Übrigen verfügt unser Testbass über einen sogenannten "durchgeleimten" Hals - bekanntermaßen eine Erfindung der Company, die das lange Sustain eines durchgehenden Halses mit dem satten Attack eines Schraubhalses kombinieren soll. Da wir diese Konstruktion bereits mehrfach in allen Einzelheiten erläutert haben, möchte ich mich an dieser Stelle jedoch nicht mehr gesondert darüber auslassen.

Wie bei den Harzern üblich, hat man dem Bass einen Nullbund verpasst. Für die richtige Führung der Saiten sorgt der darüber sitzende Sattel, durch den die Saiten über die abgeknickte Kopfplatte laufen. Hatte ein Redakteur eines anderen Fachmagazins beim Test desselben Instrumentes vor kurzem noch bemängelt, dass die A-Saite in der Führung des Sattels ein wenig schnarrt, wenn sie stark angeschlagen wird, wird der M-Bass heute mit einem brandneuen Sattel in unseren Redaktionsräumen vorstellig. Die Harzer haben den fehlerhaften Sattel tatsächlich prompt gegen einen neuen ausgetauscht - vorbildlich! Demzufolge ist selbstredend auch das Scheppern der A-Saite Geschichte.

Die Rückseite des M-Basses kommt ein wenig schlichter daher; hier fällt der Blick lediglich auf den fließenden Hals/Body-Obergang und den schmucken E-Fach-Deckel.

Der Blick in das E-Fach stellt eindrucksvoll jene Sorgfalt unter Beweis, für den die Harzer zu Recht auch im Ausland mittlerweile so bekannt sind: Die vier Schrauben des Vogelaugenahorn-Deckels sitzen selbstverständlich in Gewindehülsen. Die Verkabelung wurde ebenso vorbildlich durchgeführt wie die Abschirmung mit Kupferfolie des ganzen Faches und des Deckels. Klar, dass die Folie des Deckels und des restlichen Faches beim Zusammenschrauben beider Komponenten Kontakt haben - die Abschirmung ist also perfekt.

Fazit
Gerald Marleaux und Tilman Antons stellen mit dem M-Bass Signature einmal mehr unter Beweis, warum sie sich zur Elite der deutschen Bassbauerzunft zählen dürfen. Die geschmackvolle Auswahl der Klang- und Zierhölzer sowie die akribische Genauigkeit bei der Verarbeitung sind typisch für die Harzer.

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Komfort / Bespielbarkeit / Handling

Auffällig ist, dass das Instrument keinerlei Kopflastigkeit aufweist - und das, obwohl fünf Mechaniken ja auch schon so einiges auf die Waage bringen, was dem Body Paroli bieter kann. Aber nix da: Setzt man sich den Bass im Sitzen auf ein Bein, so bleibt der M-Bass ohne jegliches Murren in seiner Position.

In dieser Positionierung knapp unter der Brust fällt einem auch ein weiterer Vorteil der M-Bass Konstruktion deutlich auf. Obwohl die Rückseite insgesamt eher "platt" ist und kein aufwendige "Bierwampen -Shaping wie so mancher anderer Edelbass aufweist, bewirkt doch das Shaping auf der oberen Hälfte der Rückseite, dass der Marleaux keinen unangenehmen Kontakt mit der Rippen des Spielers hat - zumindest bei einer Gurtlänge, die der Position im Sitzen in etwa entspricht.

Die Bespielbarkeit erfüllt selbstredend alle mit dem Namen Marleaux zusammenhängender "Vorurteile": Trotz der potenziell eher "Daumenbremsend" wirkenden Hochglanzlackierung der Halsrückseite flutscht die Greifhand nur so über die Saiten.

Die perfekte Bundierung habe ich ja bereits eingangs erwähnt, muss aber an dieser Stelle noch einmal anmerken, dass das durch das Halsflanken-Binding bedingte "Nicht-Fühlen" der Bünde eine wirklich traumhafte Angelegenheit ist.Der Saitenabstand ist mit 19 mm an der Brücke Viersaiter-like, was selbst für Nicht-Fünfsaiterspieler kaum eine Umgewöhnung mit sich bringt.

Auch das Spielgefühl der rechten Hand ist 1A: Wenn man den Daumen auf dem hinteren Pickup abstützt, gleiten die Anschlagefinger über die hölzerne Pickupkappe und schlagen sozusagen "im Vorbeigehen" die Saiten an. Manch ein Bassist (z.B. Gary Willis) lässt sich zum Erlangen dieses Spielgefühls extra eine sogenannte "ramp" zwischen die Pickups bauen.

Fazit
Das Handling des M-Bass Signature steht seinem noblen Outfit in Nichts nach. Man merkt einmal mehr, dass man sich bei Marleaux bestens mit den Bedürfnissen der modernen Bassisten auskennt und diese bei der Konstruktion neuer Modelle im Hinterkopf behält.

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Klang

Anhand der verwendeten Materialien und der bewährten Konstruktion kann man beim M-Bass eigentlich schon davon ausgehen, dass er klanglich höchsten Ansprüchen gerecht werden wird. So manifestiert sich bereits beim trockenen Anspielen ein knalliger Ton mit viel strahlenden Höhen, für die bekanntlich nicht zuletzt die hochwertigen Stainless-Steel-Marleaux-Saiten verantwortlich sind, die die Company aus den USA bezieht.

Das ellenlange Sustain ist jedoch in erster Linie ein Verdienst der "durchgeleimten" Hals-/BodyKonstruktion. Einmal angeschlagen stehen die Töne buchstäblich "bis übermorgen: Mit dem Ohr auf dem oberen Korpushorn und dem Blick auf der Uhr schwingt die G-Saite trocken ganze 20 Sekunden lang aus, die A-Saite sogar satte 25 Sekunden, ehe nichts mehr zu hören ist!

Darum schnell den Bass eingestöpselt und der Spielfreude freien Lauf gelassen. Zunächst "fahre' ich den Bass natürlich passiv, wodurch mir lediglich die passive Höhenblende zur Verfügung steht. Schon bei den ersten Tönen dringt der typische Marleaux-Growl an meine Ohren, für den die Company so bekannt ist, und zu dem mir immer wieder die gleichen Beschreibungen einfallen: trocken, kernig, kompakt, direkt, kräftig, erhaben, aber nicht abgehoben - und natürlich mit jener ganz subtilen Ö-Färbung versehen. Diese Färbung weist bekanntlich so manchen Edelbass aus, kann allerdings bei einigen Instrumenten auch schon einmal ins "Nölige" ausufern - nicht so jedoch beim M-Bass!

Diese klanglichen Grundtendenzen wissen sich unabhängig davon zu halten, welcher Pickup bzw. welche PU-Kombination gerade benutzt wird.
Hier stehen einem folgende Soundoptionen zur Verfügung:

- Hals-PU alleine = röhriger Singlecoil-Hals-PU-Ton (Jazz-Bass-ähnlich)
- Steg-PU im Humbuckerbetrieb =deutliche Music-Man-Anleihen
- Steg-PU im Singlecoil-Betrieb =knurriger Jaco-Ton
- Hals-PU und Steg-Singlecoil zusammen = Marcus-Miller-Anleihen
- Hals-PU und Steg-Humbucker zusammen = immer noch Music-Man-  Tendenz, aber deutlich "gezügelter"

Unbedingt erwähnenswert ist natürlich das "knackfreie" Umschalten des hinteren Tonabnehmers mittels des Mini-Kippschalters neben den Potiknöpfen.

Wie man erkennen kann, haben die Harzer klanglich auf altbewährte und von den Kunden geforderte Muster verlassen. Das Schöne ist, dass der M-Bass in meinen Augen alle Sounds gleich gut anbietet, ohne jedoch seine Herkunft zu verleugnen (s.o.).

Wohlgemerkt: Das alles passiert bislang im Passivbetrieb. Zieht man jetzt das Volumen-Poti, gibt es quasi überhaupt kein Halten mehr. Überflüssig zu erwähnen, dass das Umschalten völlig nebengeräuschfrei vonstatten geht.

Sämtliche Elektronik-Frequenzbereiche wurden wohlüberlegt ausgewählt. So stehen einem am Höhenregler samtige Höhen zur Verfügung, ohne dass der Sound klirrig oder der Rauschanteil übermäßig stark wird. Boostet man die Bässe, so werden die Töne wirkungsvoll drückend unterfüttert, ohne dass sofort die weiße Fahne aus der Box kommt, weil die Speaker schlapp machen. Und auch die Mitten wurden mit Bedacht ausgewählt, so dass man beispielsweise beim Betreiben des hinteren PUs als Singlecoil das knurrige Jaco-Pumpen noch etwas ,,knarziger" hervorheben kann.

Wäre ich ein Käufer in spe, würde ich mir die Verschaltung allerdings wahrscheinlich anders herum einbauen lassen, denn in meinen Augen darf ein derart nobler Bass schon in erster Linie über eine Aktivelektronik verfügen (die zudem noch so gnadenlos gut ist!) und muss nur im Notfail eine Passiv-Umschaltfunktion bereithalten. Aber das ist Geschmacksache!

Ein kleiner Wermutstropfen: Beim gleichzeitigen Betrieb beider PUs kann die H-Saite in den höheren Lagen leider nicht mehr mit den übrigen Saiten mithalten - ein Phänomen, mit dem erfahrungsgemäß die meisten Fünfsaiter (hier macht auch das Gros der Edelcompanies keine Ausnahme) noch immerzu kämpfen haben. Mögliche Gründe hierfür sind z.B. durch die Pickup-Positionen bedingte Auslöschungen beim gleichzeitigen Betrieb beider PUS - schließlich ist das Problem beim alleinigen Betrieb der PUs in den meisten Fällen (wie auch beim M-Bass) deutlich weniger präsent. Zudem dürften aber auch die H-Saiten als solche dafür verantwortlich sein, denn in den hohen Lagen muss eine derart dicke Saite auf sehr wenig Raum zwischen dem gegriffenen Ton und dem Steg schwingen - nicht gerade günstige Voraussetzungen für einen strammen Ton!

Unterm Strich muss ich die Feststellung treffen, dass dieser Bass trotz seines edlen Outfits keineswegs ein Wohnzimmer-Instrument ist. Zum reinen "In-der-Ecke-stehen-und-angeglotzt-werden" ist der M-Bass zu schade, denn es handelt sich bei ihm um ein echtes Arbeitsgerät, das im harten Bühneneinsatz durchaus auch schon einmal richtig "getreten" werden möchte (nur nicht wörtlich verstehen bitte!!!). Stilistisch kann er in sämtlichen Bereichen mithalten. Vom Jazz über Soul und Funk bis hin zu harten Klängen à la Rage Against The Machine kann man stets das treffende klangliche Statement abgeben!

Fazit
Der M-Bass Signature hält eine Vielzahl etablierter Sounds parat, die er mit seinem typischen MarleauxGrowl kombiniert. Somit kann man durch den Erwerb dieses Instrument durchaus eine "eigene Stimme" entwickeln, ohne sich aber komplett von den gängigen Standards zu verabschieden.

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Kommentar

Der M-Bass Signature von Marleaux unterstreicht wieder einmal das ungemein hohe handwerkliche Können der Harzer Bassschmiede. Doch handwerkliches Geschick allein reicht nicht aus - der Signature verfügt darüber hinaus über eine erstklassige Bespielbarkeit und über ein klangliches Naturel, dass Altbewährtes mit Neuem verbindet und in allen Bereichen einsetzbar ist.

Lars Lehmann

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Technische Merkmale:

- 3teiliger Swietenia-Mahagony Body
- Quilted- und Spalted-Bubinga-Decke
- "durchgeleimter" 3teiliger
  Vogelaugenahorn-Hals
- Ebenholz-Griffbrett mit 24 Bünden
  (+ Nullbund) und Riegelahorn-Binding
- Pickups: 1 splitbarer Marleaux Jazzbucker,
  1 Marleaux-Singlecoil, beide in
  Ebenholz-Cover
- Marleaux JB3 (aktiv/passiv) 3-Band-EQ mit
  Passiver Tonblende
- Gold-Hardware
- fünf Schaller-Mechaniken
- tief einfgelassener Klinkeneingang

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Maße / Daten:

Hersteller: Marleaux/Deutschland
Modell: M-Bass Signature V
Mensur: 864 mm
Halsbreite: Sattel 47 mm, 12. Bund 68 mm
Halsdicke: 1. Bund 22 mm, 12. Bund 22 mm
Anzahl der Bünde: 24 Bünde (+ Nullbund)
Stringspacing: Sattel 9 mm, Steg 19 mm
Hals-PU-Abstand von Brücke: 120 mm
Steg-PU-Abstand von Brücke: 40 mm
Regler: Volumen, passive Höhen, aktive Höhen, Bässe, Mitten
Schalter: Steg-PU seriell / Singlecoil, Pull-Funktion des Volumen Potis zum Umschalten auf den Aktivbetrieb
Batterie: 1 x 9 Volt
Gewicht: ca. 4,6 kg
Preis: siehe Preise
Lieferumfang: Security-Locks, Imbusschlüssel

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